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Forum for Foresight and Future Analysis in the Areas of International Politics and Global Issues

Methode: Projekt „EU Economic Foresight“

Explorative Szenarioanalyse mit Berechnung

Das Projekt „EU Economic Foresight“ der stiftung neue verantwortung stellt die Fragen, was Europa tun muss, um 2030 international wettbewerbsfähig zu sein und wie die notwendigen Maßnahmen vor dem Hintergrund der politischen und finanziellen Schwierigkeiten der EU umgesetzt werden können.

Vorsicht Zukunft: Methodische Herausforderung

Bei der Analyse der zukünftigen Wettbewerbsfähigkeit ist es wichtig, nicht den Fehler zu machen, sich mit einer Strategie für 2030 auf die Welt von heute einzustellen: Die Welt entwickelt sich kontinuierlich weiter, teilweise in unvorhersehbaren Dynamiken, wie die globale Finanz- und Wirtschaftskrise sowie die Eurokrise dies in den letzten Jahren sehr deutlich gezeigt haben.

Wie kann diesen Herausforderungen Rechnung getragen werden? Aus der Perspektive des Projektes ist das zu allererst eine methodische Frage. Nach einer Diskussion verschiedener zukunftsanalytischer Methoden entschloss sich das Team, mit einer explorativen Szenarioanalyse zu arbeiten. Für die Arbeit nutzte es RAHS (Risk Assessment and Horizon Scanning), eine Plattform für sicherheitspolitische Zukunftsanalyse, des Dezernates Zukunftsanalyse im Planungsamt der Bundeswehr.

Explorative Szenarien für die Bereiche Handel, Arbeitsmarkt, Energie und Innovation

Zuerst diskutierte das Team allgemeine globale Trends im Bereich Weltwirtschaft. Auf dieser Grundlage teilte es das Untersuchungsfeld in vier Handlungsbereiche auf, die für die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit der EU entscheidend sind: Handel, Arbeit, Energie sowie Innovation & Technologie.

In all diesen Bereichen wurde danach der gleiche Prozess verfolgt: Durch Gruppendiskussionen, Experteninterviews und Literaturrecherche wurden Faktoren gesammelt, die für den jeweiligen Bereich und die Wettbewerbsfähigkeit der EU in diesem Bereich wichtig sind. So diskutierte das Team Arbeit unter anderem mit Prof. Klaus Zimmermann, Direktor des Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA) in Bonn. Das Team Energie wiederum traf sich beispielsweise mit Experten des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) und der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP).

Aus den gesammelten Faktoren wurden in einer Unsicherheitsanalyse daraufhin diejenigen isoliert, denen eine besonders große Wirkung auf das Themenfeld zugesprochen wurde, deren Entwicklung jedoch gleichzeitig besonders ungewiss ist. Für diese sogenannten Schlüsselfaktoren – im Bereich Energie beispielsweise die Zukunft des globalen Klimaregimes – wurden dann potenzielle zukünftige Zustände, auch Projektionen genannt, erstellt. Im Falle des Klimaregimes sahen diese Projektionen zum Beispiel wie folgt aus: „Effektives globales Klimaregime“, „Die Klimapolitik schläft ein“, „Regionale und themenspezifische Netzwerke“.

Das Projektteam bediente sich dabei einer spezifischen Form der explorativen Szenarioanalyse, bei der auf Grundlage der Schlüsselfaktoren und Projektionen auf der Plattform RAHS eine Matrix erstellt wurde, in der jede Projektion eines jeden Schlüsselfaktors jeder Projektion aller anderen Schlüsselfaktoren gegenübergestellt wird. Die entstehenden Kombinationen wurden dann vom Projektteam diskutiert und im Hinblick auf ihre Konsistenz bewertet. Dabei wurde stets die Frage gestellt, wie plausibel es ist, dass konkrete Paare von Projektionen gemeinsam in einer konsistenten, also in einer in sich schlüssigen, Welt vorkommen. Bewertet wurde mit Werten von „1 = vollkommen inkonsistent“ bis „5 = sehr konsistent“.

Aus der Matrix wurden anschließend möglichst konsistente Kombinationen errechnet, das heißt Welten, in denen möglichst viele konsistente und möglichst wenig inkonsistente Kombinationen von Projektionen vorkommen. Jedes der entstehenden sogenannten Rohszenarien besteht aus jeweils einer Projektion pro Schlüsselfaktor. Danach wurden Gruppen ähnlicher Szenarien zusammengefasst, um die Anzahl der Szenarien und damit die Komplexität zu reduzieren. Auf dieser Grundlage wurden dann Szenario-Narrative erstellt.

Szenarien! Was nun?

Je nach Unterthema entstanden so drei bis vier Szenarien. Wichtig ist dabei, dass die Szenarien nicht als Vorhersagen, sondern als Idealtypen zu verstehen sind. Sie sollen ein möglichst breites Spektrum möglicher zukünftiger Entwicklungen abdecken. Zwar, werden tatsächliche zukünftige Zustände nicht unbedingt mit einem der Szenarien deckungsgleich sein. Dennoch werden sich diese tatsächlichen Entwicklungen vermutlich innerhalb des des Möglichkeitsraumes bewegen, der durch die Szenarien aufgespannt wurde.

So können die Szenarien helfen, Einsichten über Politikstrategien und deren Robustheit über verschiedene mögliche Zukunftsentwicklungen hinweg zu erlangen. Folgende Fragen sind für die Zukunftsrobustheit wichtig: Können bestimmte Politiken die globalen Entwicklungen in Richtung des einen oder anderen Szenarios beeinflussen? Und wie wirken sich die Politikoptionen in den verschiedenen Szenarien auf die Wettbewerbsfähigkeit der EU aus?

Autor:

Jörn Richert ist Initiator von future and politics und als Associate im Projekt “EU Economic Foresight” zuständig für foresight-Methoden und den Themenbereich Energie.

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2 comments on “Methode: Projekt „EU Economic Foresight“

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Information

This entry was posted on September 4, 2013 by in EU Economic Foresight (2012-2013), Method & Theory, Sprache: Deutsch.

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